VulcanGuard befindet sich nach der Gründung aktuell in der Erprobungsphase. Ich führe Gespräche mit Kunden und versuche weiterhin, das Unternehmen ohne Fremdkapital aufzubauen. HJÄRTA wurde von mir selbst im Dachgeschoss meiner Wohnung gebaut, die Software selbst geschrieben. Nun geht es um Lieferketten und Konfektionierung. Kurz gesagt: Für die nächsten Schritte braucht es vor allem eines: Zeit. Zugegeben – ich baue lieber etwas, als zu warten. Aber ein gutes Produkt braucht eine gewisse Reife.
Um diese Zeit zu überbrücken und finanziell unabhängig zu bleiben, folge ich einem Kindheitstraum und fahre tatsächlich Lkw. Genauer gesagt fahre ich im ADR-Bereich. Wem das nichts sagt: Es geht um den Transport von Gefahrgut.
Man kennt diese Fahrzeuge von der Autobahn. Oft sind es große Tankwagen mit Symbolen darauf: tote Fische, Totenköpfe, Flammen und andere Zeichen, die ein wenig aussehen könnten wie Aufkleber einer Death-Metal-Band. Tatsächlich aber weisen sie auf reale Gefahren hin. Und die sind wirklich nicht ohne.
Nicht jede Gefahr bedeutet automatisch Hollywood-reife Explosionen, aber ihre Bedrohung für Mensch und Umwelt ist deshalb nicht geringer. Im Gegenteil – die meisten Menschen ahnen nicht, was da gut gekennzeichnet über die Straßen rollt. Stoffe wie Phenol etwa, bei denen bereits geringe Mengen lebensgefährlich sein können. Woher ich weiß, dass die meisten Menschen das nicht ahnen? Ich erlebe es auf den Autobahnen. Wäre vielen Verkehrsteilnehmern bewusst, welche Stoffe sie gerade mit wenigen Zentimetern Abstand überholen oder vor welchen Fahrzeugen sie zu knapp einscheren, würden sie vermutlich mehr Abstand halten. Aber keine Sorge – dieser Artikel handelt nicht vom alten Lied des armen Lkw-Fahrers und den bösen anderen. Es geht um Gefahrenverhütung.
Auf diese Gefahren wird man als Fahrer vorbereitet. Ich wurde intensiv geschult, führte Schutzausrüstung mit, lernte Vorschriften, Stoffklassen und Verhaltensregeln. Rückblickend spulte ich alles wie im Lehrbuch ab. Trotzdem landete ich auf der Intensivstation. Weshalb?
Ich fuhr in einem Tank eine Flüssigkeit: 24,9-prozentige Ammoniaklösung. UN 2672, Klasse 8, ein ätzender Stoff. Ammoniak kennen viele zumindest dem Geruch nach: stechend, beißend und bereits in kleinen Mengen kaum zu übersehen – oder besser: zu überriechen. Die Flüssigkeit selbst brachte mich nicht ins Krankenhaus, sondern ihre Dämpfe. Ich wurde wegen einer Ammoniakgasexposition mehrere Tage stationär behandelt.
Was war passiert?
Aus datenschutzrechtlichen Gründen kann ich nur grob schildern, was geschah. Während des Entladens kam es zu einem Defekt, der dazu führte, dass Gas austrat. Ich hatte keinen Einfluss darauf, und jeder andere Fahrer hätte dieselbe Situation erleben können. Es gab keine Warnmeldung. Auf einmal hatte ich keine Luft mehr zum Atmen. Bis ich die ABC-Maske aufgesetzt und den Filter aktiviert hatte, verging nicht viel Zeit. Aber dennoch zu viel.
VulcanGuard gründete ich nicht in der Absicht, einfach eine Kiste zu bauen. Ich gründete VulcanGuard, weil ich seit über 30 Jahren beruflich genau hinschaue und versuche, Prozesse und Abläufe zu verstehen – blinde Flecken zu entdecken und daraus Lösungen zu entwickeln. Das Problem im Kern erfassen. Und dann möglichst einfach lösen.
Neun Tage nach dem Unfall brennen mir infolge der Reizgasexposition noch immer die Augen. Ich kann den morgendlichen Kaffee nicht mehr riechen und schmecke den Unterschied zwischen Schokolade und einem Apfel nicht mehr. Das macht mich traurig.
Wie hätte das verhindert werden können?
Im Brandschutz habe ich immer wieder gepredigt: Das oberste Schutzziel ist der Schutz und die Rettung von Menschenleben. Jede technische Regel hat sich diesem Ziel unterzuordnen.
Deshalb stelle ich mir Fragen: Warum sind Fahrerkabinen bei der Be- und Entladung gefährlicher Stoffe nicht als definierte Schutzräume ausgelegt? Ließe sich ein Fahrer im Gefahrenfall mit sicherer Atemluft versorgen? Warum gehört eine geeignete Gasdetektion nicht grundsätzlich zum Schutzkonzept, wenn Stoffe verladen werden, die gefährliche Gase oder Dämpfe freisetzen können?
Technisch sind solche Lösungen grundsätzlich möglich. Der Aufwand muss ins Verhältnis zu dem Schaden gesetzt werden, der entstehen kann, wenn die Atemluft kontaminiert wird und Menschen verletzt werden.
Hätte HJÄRTA etwas ändern können?
Und natürlich stelle ich mir die Frage: Hätten meine Produkte daran etwas ändern können? Die Antwort ist: Ja. Hätten sie.
HJÄRTA kann Stand heute kein Gas detektieren. Aber HJÄRTA kann Zustände und Messwerte erfassen – binär wie An oder Aus, metrisch als Zahlenwert. Ein geeigneter Gassensor könnte beispielsweise eine Konzentration messen oder beim Überschreiten eines definierten Grenzwertes ein Signal liefern. Im einfachsten Fall lautet die Information dann nur: Gas erkannt oder kein Gas erkannt. Und genau einen solchen Zustand kann HJÄRTA erfassen.
Natürlich ist mein Produkt dafür nicht zugelassen. Aber darum geht es an dieser Stelle gar nicht. Eine einzige Warnung, ein kleines rotes Licht, hätte womöglich genügt. Ich hätte meine Maske früher aufsetzen und die Gaswolke früher verlassen können. Und vielleicht könnte ich heute meinen Kaffee riechen.
HJÄRTA könnte dazu beitragen, dass Fahrer wie ich an genau solchen Tagen wieder nach Hause kommen. Und einen höheren Anspruch kann ich an ein System kaum stellen.
Ich fordere Lkw-Hersteller dazu auf, den Schutz des Fahrers während der Be- und Entladung gefährlicher Stoffe neu zu denken: mit definierten Schutzkonzepten für die Kabine, geeigneter Gasdetektion und einer unmittelbaren Warnung, bevor der menschliche Körper selbst zum Sensor wird.
Und ich suche Industriekunden, die bereit sind, solche Fragen nicht nur zu diskutieren, sondern gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Wer Verladebereiche sicherer machen, Zustände sichtbar machen oder bestehende Sensorik sinnvoll auswerten möchte, mit dem spreche ich gern über den konkreten Bedarf, eine mögliche Lösung und einen realistischen Weg zur Umsetzung.
Denn manchmal braucht es keine große Revolution. Manchmal braucht es einen geeigneten Sensor. Ein Signal. Eine Warnung. Und vielleicht einen Menschen, der abends wieder nach Hause kommt.